Am Dienstag, den 27. April 2010 war ich mit Genepool im Dortmunder FZW, die dort als Support für Ken spielten. Es war die letzte von drei Support Shows mit Ken und ich nahm die Gelegenheit wahr, ein paar kurze Worte mit Aydo und Guido von Ken zu wechseln und sie nach ein paar Dingen zu fragen, die mich und vielleicht auch andere Tontechniker interessieren könnten. Dabei ging es um Themen wie Fremdtechniker, Bühnensound, Feedbacks und Gewalt am Arbeitsplatz.
Doch lest selbst!
CMSD: Ihr seid zur Zeit mit Ken auf Tour und wart gestern im Kölner Luxor.
Wie hat euch der Bühnensound gefallen?
Aydo: Der Sound auf der Bühne war katastrophal für mich. Der Typ, der da gearbeitet hat, hat, glaube ich, auch absichtlich immer weggehört. Er hat auch nicht das gemacht, was man ihm gesagt hat. Wenn man ihm sagte, mach mal bitte die Gitarre leiser oder den Gesang lauter, dann ist das nicht passiert. Was ich sehr schade finde, weil der Typ eigentlich ein Guter ist. Wir kannten uns eigentlich schon vom Sehen und ich dachte, er gibt sich vielleicht ein bisschen Mühe. Aber er saß da total gelangweilt. Ich mag Monitormenschen nicht, die nur ihren Job machen.
Guido: Es war im übrigen auch das einzige mal auf der Tour, dass wir einen extra Monitormischer hatten. Und es hab schon einige Probleme beim Soundcheck. Ich würde behaupten, wenn das nicht total eingespielt ist und du deinen eigenen Monitormann hast, dann brauch ich das nicht. Dann hab ich lieber einen Monitormix vom FOH oder gar nicht, bzw. rudimentär, so dass es so passt.
CMSD: Also ist es euch wichtig, dass jemand den Mix auf der Bühne macht, der weiß, wie es dort klingen sollte und der mit euch kommunizieren kann und auch mit euren Handzeichen etwas anfangen kann?
Aydo: Wir hatten noch nie einen eigenen Monitormann. Das ist einfach Glückssache.
Guido: Wenn du einen hast, dann nimmst du ihn mit und er baut seinen Kram auf, drückt ein paar Knöpfe und dann ist alles so, wie du es haben willst. Im Idealfall. Aber so ist das ja nicht. Oder nur selten. Ich mag es sowieso viel lieber komplett ohne Monitor zu arbeiten. Ich will mich so aufbauen, dass ich alle höre und dass auf der Bühne erstmal alles funktioniert, ohne Anlage. Draußen erstmal alles aus, nur auf der Bühne spielen und das muss dann passen. Da muss man vielleicht den einen oder anderen Amp mal drehen, der eine muss sich ein bisschen leiser oder lauter machen und das muss dann passen. Und dann kann man weiterarbeiten.
Aydo: Ja… also ich seh das mit dem Gesang etwas anders… aber eigentlich ja.
Guido: Ja… klar, der Gesang kommt dann da oben drauf, das ist ja oft die Master Arbeit!
CMSD: Was ist denn eurer Meinung nach noch wichtig bei einem Techniker, außer Fachwissen? Was erwartet ihr von ihm, wenn ihr jemanden dabei habt?
Aydo: Für mich ist das allerwichtigste, dass der Techniker die Musik gut findet und dass er Spaß an seiner Arbeit hat. Es ist das allerletzte, wenn du mit jemandem arbeitest, der da technisch rangeht und du von der Bühne aus zum Pult guckst, weil du hast ja öfters den Kontakt, und denkst, „geh doch nach Hause, du Idiot“.
Guido: Ja, weil er zum Beispiel gerade gelangweilt auf seinem iPhone spielt oder so.
Aydo: Mir ist, auf den Konzerten auf denen ich war, aufgefallen, je größer die Bands werden desto mechanischer wird das bei den Technikern.
CMSD: Aber ihr bevorzugt in jedem Fall einen Techniker, der mit euch auf Tour ist und die Musik mag, die ihr macht?
Guido: Ja. Also ich habe lieber einen Techniker mit dabei, weil der Techniker im besten Fall das fünfte Bandmitglied ist. Oder das siebte.
Aydo: Oder das achte.
Guido: Eigentlich sollte der Techniker wie ein Bandmitglied sein und sich auch so verhalten. Er sollte loyal sein. Technisch natürlich auf der Höhe. Sonst ist es wirklich nicht nötig. Denn ich kann euch sonst jeden Techniker im Club dazu antreiben, das zu tun, was ich von ihm will. (schmunzelt) Da kann man dann auch mal extrem unfreundlich werden, das ist mir dann scheiss egal. Einen Techniker in einem Club, den kann ich ruhig auch mal treten oder anpfeifen und das funktioniert dann auch irgendwie. Aber das macht natürlich überhaupt keinen Spaß.
Aydo: Ich bin, glaube ich, noch nie ohne eigenen Mischer aufgetreten.
Guido: Also das geht schon. Wir haben das neulich in Hannover mit Genepool gemacht. Der Typ war aber extremst vorbereitet. Ich glaube, da hast du auch…
CMSD: Ja, ich habe ihn im Voraus eingewiesen und vorgewarnt.
Guido: Ja genau. Aber er war in jedem Fall vorbereitet und motiviert! Und auch der Sound war gut. Es kann natürlich auch voll in die Hose gehen, wenn du keinen eigenen Techniker dabei hast.
CMSD: Wie seid ihr denn an euren Techniker gekommen, der jetzt dabei ist?
Aydo: Den hat irgendwer angeschleppt. Sonst warst du ja noch im Gespräch. Was ja auch eine krasse Geschichte ist. Du hast dich mir ja fünf Mal vorgestellt.
CMSD: Du warst mal im Blue Shell und bist zu mir gekommen und meintest, das wäre der beste Sound, den du je dort gehört hast.
Aydo: Ja
CMSD: Und du wusstet in dem Moment gar nicht, wo du mich einordnen solltest.
Aydo: (lacht) Devinitiv nicht! Aber da hatten wir Ivo schon gefunden und der ist in jedem Fall eine gute Wahl. Ist ein guter Typ!
(Bemerkung: Aydo und ich hatten uns zu dem Zeitpunkt schon zwei, drei mal getroffen und kurz darüber gesprochen, dass wir uns aus dem Genepool / Koblenz / Blubox Dunstkreis kennen… aber das war jedes mal spät nachts…)
Guido: Am ersten Tag dachte ich, der hat noch nie eine Band live gemischt. Ganz ehrlich. Das hat sich aber jetzt extrem verändert und gebessert. Und das liegt nicht umbedingt daran, dass wir uns auf ihn eingestellt haben, sondern, dass er sich auf uns eingestellt hat.
Aydo: Das größere Problem finde ich ja, dass man den Sound draußen nicht einschätzen kann und man dem Techniker vertrauen sollte, was draußen passiert. Denn bei den Bühnensounds, die ich bis jetzt hatte, habe ich mir immer gedacht, wenn die Leute das draußen auch so hören, dann können wir bald einpacken!
Guido: Aber das muss man wirklich komplett trennen. Das hängt auch damit zusammen, wie die Bühne aufgebaut ist und was für eine Akustik sie hat. Das hat mir draußen gar nichts zu tun, würde ich mal behaupten.
Aydo: Ich habe aber von Leuten, die draußen waren, gehört, dass der Sound gut war. Was sagst du denn?
CMSD: Ich finde gut, was er macht. Klar gibt es geschmackliche Unterschiede, aber das Gesamtbild ist stimmig. Es passt zu euch. Und auch zum Sound, den die Musik verlangt.
Aydo: Ein bisschen Wahnsinn müsste rein.
CMSD: Ja vielleicht. Aber das wäre dann etwas, was eher von der Bühne kommen müsste. So wahnsinnig viel Wahnsinn oder Irrsinn erzeugt ihr ja noch nicht auf der Bühne. Ausser, dass der Guido natürlich ein irrsinniger Bassist ist.
Guido: (lacht) Der Ivo hat zum Beispiel auch gesagt, ich soll den Bass leiser machen. Das hat er nur einmal am ersten Abend gesagt, danach nicht mehr. (Aydo lacht) Er will auch immer, dass der Bowie die Becken abklebt. Ivo sagt, wenn Bowie richtig in die Becken haut, dann baut sich da eine Beckenwand auf. Aber natürlich, deshalb haut der ja da drauf. Aber Beckenalarm ist auch ein bisschen Garage, ein bisschen Punk, ein bisschen Wahnsinn. Was er zum Beispiel „wegmischt“.
Aydo: Er sieht uns glaube ich auch eher als Pop Band.
CMSD: Gibt es ein No-Go für einen Techniker? Etwas wofür ihr in sofort rausschmeissen würdet?
Guido: Feedbacks!
CMSD: Feedbacks auf der Bühne?
Guido: Ja. Bei Feedbacks haue ich dem Techniker glaube ich direkt auf die Fresse.
Aydo: Aber da kann er ja oft nichts für.
Guido: Ich meine nicht während der Show. Vorher. Beim Aufbau.
CMSD: Also eher versehentliche Feedbacks, die entstehen, wenn jemand den falschen Knopf drückt?
Guido: Genau, nicht während der Show. Das kann durchaus mal passieren. Aber wenn vor der Show jemand irgendwelche Knöpfe drückt oder irgendwelche Kabel steckt und dann geht auf einmal irgendwo etwas los auf der Bühne, dann dreh ich durch! Deshalb mache ich auch immer, sobald ich einen Laden betrete, auch wenn noch nichts aufgebaut ist, sofort meine Ohrstöpsel rein. Weil irgendwann, irgendein Idiot immer den falschen Knopf drückt. Und dann will ich nicht gerade irgendwo daneben stehen.
CMSD: Gibt es etwas, das ihr anderen Bands empfehlen würdet, wenn sie einen Techniker suchen? Wie kommt eine Band an einen Techniker?
Aydo: Ich kann dir da gar nicht viel zu sagen. Es bieten sich ja auch immer Leute an.
CMSD: Das heisst, wenn sich euch jemand anbietet, dann nehmt ihr ihn in eure Kartei auf?
Aydo: Nein. (Pause) Doch.
Guido: Doch. Eigentlich schon. Ich denke schon, dass sich Techniker anbieten müssen. Darstellend anbieten müssen. So hab ich das früher auch gemacht. Da bin nach Konzerten zu den Bands, die ich haben wollte, und habe gesagt: „Hey, ich habe ein Studio, wollt ihr nicht bei mir aufnehmen?“ Und genau so müssen das Techniker glaube ich auch machen. Sie müssen sich einfach anbieten und irgendwann, irgendwo wird das dann mal ausprobiert.
CMSD: Ich frage deshalb, weil ich von vielen jungen Technikern höre, dass es unglaublich schwierig ist, wenn man mit Bands arbeiten möchte, an diese ranzukommen. Klar kriegen Bands ständig Angebote von Technikern. Aber das ist auch der einzige Weg an eine Band ranzukommen, abgesehen davon, dass man es über eine Connection und Vitamin B schafft. Als Techniker kann man sich ja nicht bewerben wie in den meisten anderen Berufen.
Aydo: Es ist nur das Touren. Da lernst du die Leute kennen.
CMSD: Also viel unterwegs sein und viele Bands und Leute kennenlernen?
Guido: Ja genau.
Aydo: Unser Lichtmann Maxi hat sich uns zum Beispiel nach einer Show einfach angeboten. Nach dem Konzert. (schmunzelt) Im Wahn. Und dadurch, dass er mit uns auf Tour war, kamen dann auf einmal Leute an und fragten, „Willst du nicht auch bei uns Licht machen?“ Und das ist bei Tontechnikern ja genauso.
Guido: Ich denke, man muss einfach selbstbewusst auf die Leute zugehen und sich gut verkaufen. Und nicht nur warten, bis einer anruft. Und wenn einer dann gut ist und loyal ist, das finde ich wichtig, und wenn er nicht nervt, dann ist alles gut. Aber Techniker dürfen auf keinen Fall nerven! Es gibt immer wieder Techniker, die einfach nur mitmachen wollen und sich anpassen wollen. Es gibt ja oft eine Art Humor die eine Band auf Tour entwickelt. Wenn sich da dann jemand so ungefragt dazwischenmogeln will, dann kann das schonmal total nerven. Also ein Techniker darf auf keinen Fall nerven.
CMSD: Na, das ist doch mal eine Ansage.
Aydo: Aber ich glaube wenn alle so sind wie sie sind, dann nerven sie auch nicht.
Guido: Genau! Aber das ist ja auch eine hervorstechende Charaktereigenschaft. So zu sein wie man ist.
Aydo: Wir nehmen dich bald auch mal mit, Chris. Definitiv und bald!
CMSD: Cool! Das hoffe ich und freue mich.
Aydo: Ich finde Ivo aber auch gut! Ich habe den Fehler gemacht, mich jahrelang auf eine Person zu versteifen, aber das das ist totaler Schwachsinn.
CMSD: Ist ja auch gut, mehrere Personen in der Hinterhand zu haben, wenn mal eine ausfällt.
Aydo: Nicht unbedingt wegen der Austauschbarkeit. Es hält das Ganze auch frisch. Die ganze Band ist ja ein kommen und gehen. Da kann doch auch der Techniker kommen und gehen. Finde ich gut. (lacht) Ich bleib immer. (Und zu Guido): Und DU auch!
Guido: (lacht) Haha… ein schönes Schlusswort!
CMSD: Vielen Dank euch beiden. Und viel Spaß gleich auf der Bühne!